Agnosie beschreibt ein Unvermögen, etwas zu erkennen, obwohl die Sinnesorgane eigentlich funktionieren würden.



Warum sollte ich mir über mein Managementverständnis Gedanken machen ?



Was ist unser industrielles Managementverständnis ?



Was wird im Digitalen Zeitalter anders sein ?



Ist das Digitale Zeitalter nun gut, oder schlecht für uns ?

"Des einen Freud - des anderen Leid."

Wie so oft im Geschäftsleben sind auch hier Chancen und Risiken eng verbunden. Es kann ein Risiko sein, wenn ein Mitbewerber eine Chance nutzt.

Wir haben bereits weiter oben erwähnt, dass der Übergang in das Digitale Zeitalter für die meisten Unternehmen einen Einfluss auf deren Geschäftsmodell hat. Um diese Aussage etwas zu belegen, gehen wir mal kurz verschiedene Bereiche der Schweizer Wirtschaft durch und skizzieren ein paar innovative Szenarien zum Nachdenken. Ziel dieser Szenarien soll aber nicht sein, vollständige digitale Geschäftsmodelle vorzustellen, sondern einen möglichen Denkprozess zu verstehen und zu motivieren, ähnliche Denkprozesse auch am eigenen Unternehmen anzugehen.

  • Handel ?
    • Lassen wir unserer Phantasie mal freien Lauf :
      Dem Kunden werden in einem Supermarkt zu ausgewählten Produkten Zusatzservices angeboten. Dazu wird an dem Verkaufsregal das Preisschild um einen QR-Code erweitert. Scant der Kunde diesen, könnte der Kunde einen (für ihn) kostenlosen Zusatznutzen erhalten. Das könnte vielleicht eine Zusatzinformation zur Nachhaltigkeit dieses Produkts sein. Das könnte aber vielleicht auch ein Video zur Anwendung des Produkts sein. Oder wie wäre es mit dem Hinweis, dass das Produkt 9 kg wieg, der konkret scannende Kunde im 3. Stock ohne Aufzug wohnt und man den Kauf dieses Produkts bei einem anderen Verkäufer empfiehlt, da dieser das Produkt liefert. Oder ein Hinweis, was andere Kunden gemeinsam mit diesem Produkt kauften (vielleicht sogar verbunden mit einer Einladung zu einem Event mit Gleichgesinnten) ? Oder eine Hervorhebung von Inhaltsstoffen, auf die der konkret scannende Kunde allergisch reagieren könnte (natürlich verbunden mit einer Empfehlung für ein alternatives Produkt) ?
    • Sind das nur Phantasien ?
      Oder vielleicht machbare Innovationen, die ein Kunde gerne annehmen würde, wenn sie verfügbar sind ?
    • Was wäre denn das Potential, wenn der Kunde eine dieser Ideen annimmt ?
      Was passiert denn zum Vergleich in Amazon oder in eBay ? Einen Geschäftsfall in Amazon oder eBay löst der Kunde mit seinem Kauf aus. Die Rechnung für den Service von Amazon oder eBay zahl aber nicht der Käufer, sondern der Verkäufer.
      Übertragen wir das mal :
      Der Kunde im Supermarkt entscheidet sich, den QR-Code zu scannen, wenn es für ihn zu einem Zusatznutzen führt und er vielleicht nicht mal etwas dafür bezahlen muss.
      Lassen wir also jemand anderes zahlen :
      Anbieten könnte sich dafür z.B. ein Partner, der einen Auftrag bekommt. Der Verkäufer, der das 9kg-Produkt liefert ? Der Verkäufer des Alternativprodukts, das für einen konkreten Kunden allergisch unbedenklich ist ?
    • Wir können aber davon ausgehen, dass der ursprüngliche Supermarkt, in dem der QR-Code sichtbar sein soll, kein Interesse hat, den Kunden zu einem anderen Verkäufer weiterzuleiten. Also könnte sich ein strategisch vorausdenkender Unternehmer vielleicht ein stufenweises Vorgehen ausdenken :
      1. Einführung eines QR-Codes mit einem Zusatznutzen, der den Supermarkt nicht stört und zu einem Mehrwert für den Hersteller des Produkts führt. Dieser QR-Code könnte z.B. auf der Verpackung des Produkts angebracht sein.
      2. Erweiterung des Services um Angebote, die zu einem Crossselling innerhalb des Supermarktes führen. In Folge heben die Supermärkte des QR-Codes hervor und platzieren sie zusätzlich an Regalen.
      3. Mit beginnenden Kundenakzeptanz / Kundenerwartung und Marktdominanz können nun auch Services aufgeschalten werden, die der einzelne Supermarkt anfänglich vielleicht nicht akzeptiert hätte. Würde er aber jetzt den QR-Code wieder abschaffen, würde das zu einem Mangelempfinden beim Kunden führen, und der Supermarkt könnte Kunden verlieren.
      4. Die QR-Codes werden um eine Bezahlfunktion erweitert. Das heisst, durch das Scannen und Bestätigen des Kaufs am Smartphone wird das Konto des Kunden direkt belastet und dem Supermarkt der Betrag gutgeschrieben. Natürlich nach Abzug einer festzulegenden Gebühr, denn es lässt sich ja argumentieren, dass der Supermarkt nun Personalkosten für seine Kasse sparen könnte.
      5. In einem weiteren Service leitet ein Algorithmus Kaufgewohnheiten des Kunden ab und gibt eine voraussichtlichen Bedarf an den Verkaufspartner weiter, der die höchsten Gebühren zahlt.
      6. Wie wäre es als nächste Innovation mit einem online-Event ? Vielleicht sind wir ein bisschen durch den Erfolg von online-Modeshows in China inspiriert und versuchen etwas Analoges - aber auf europäische Kultur ausgerichttes ? Hier liesse sich auch Kaufkraft erhoffen, die dann zu ausgewählten (gebührenzahlenden) Partnern weitergeleitet werden könnte.
      7. Vielleicht lernen wir dann mit dem Angebot von online-Events, dass wir damit unerwartet soziale Bedürfnisse nach Lifestyle und Community adressieren ? Dass wir dabei den Kunden auf Basis von individualisierten Persönlichkeitsprofilen in dessen Kaufverhalten steuern, wird ihm vielleicht gar nicht bewusst. Wir wären es dann auch, die dem Kunden helfen, seinen Lifestyle zu leben. Bei Produkten, von denen wir denken, dass wir den Kunden nicht in einem Event begleiten können, hätten wir vielleicht andere Innovationen : Der Kunde, der nach der Arbeit nach hause fährt, könnte auf dessen Heimweg einen Vorschlag zu einem entspannenden Abendessen erhalten - und wenn er dann zuhause ankommt, könnten zeitgleich die hierfür benötigten (und zuhaue gerade nicht vorhandenen) Produkte angeliefert werden.
      8. ...und so weiter - so weit die Innovationskraft führt
    • Haben wir es vergessen ? Eigentlich haben wir doch anfänglich über einen Supermarkt gesprochen. Was ist aus dem geworden ? Er hatte doch eigentlich nur ein bisschen abwarten wollen. Gibt es ihn noch ? Vielleicht hat er irgendwann gemerkt, dass die Kaufkraft von dem obenstehenden Partnern weitgehend abgeschöpft wurde. Vielleicht hatte er dann auch irgendwann die Idee, Kooperationen zu suchen, bei denen die Kunden wenigstens zur Abholung mancher Produkte zu ihm in den Supermarkt kommen ? Bei einer Erweiterung um RFID (Radio-Frequency Identification) könnte er vielleicht die Rolle eine Verteilzentrums für Produkte des täglichen Bedarfs übernehmen. Ohne dass es der Supermarkt wollte, wurde ihm sein Geschäftsmodell verändert. Seine Marge wurde ihm reduziert und er ist nun auf Kooperationen angewiesen, die er nicht ganz freiwillig gewählt hat.
    • Hätte die Führungskraft des Supermarkts diese Entwicklung verhindern können ? Ganz sicher ! Denn alles, was hier als "Phantasien" bezeichnet wurden, sind bereits heute verfügbare und eingesetzte Technologien. Die Führungskraft des Supermarktes hätte :
      - die Business-Spielregeln / Management im Digitalen Zeitalter kennen müssen
      - sich etwas mit den jeweils aktuellen digitalen Möglichkeiten beschäftigen müssen
      - mit Google/Youtube/o.ä. sich etwas inspirieren lassen können und manche Anregungen mit etwas Innovationswillen auf die Kultur des eigenen Zielmarktes übertragen können
    • Wenn sich die Führungskraft nicht selbst mit den jeweils aktuellen digitalen Möglichkeiten und auch nicht mit Innovationen auseinandersetzen möchte, sind auch Kooperationen mit Partnern / Sturtups möglich (die dann auch das unternehmerische Risiko mittragen). Aber der erste Punkt "Management im Digitalen Zeitalters kennen" ist für eine Führungskraft unverzichtbar.

  • Landwirtschaft ?
    • Führen wir gleich mal die obere Phantasie fort :
      Warum sollte denn der Landwirt oder seine Genossenschaft noch an den Supermarkt liefern, wenn ihm direkt Endkundenbedarf weitergeleitet werden kann ? Für den Kunden könnte so auch wertvoller Zusatznutzen generiert werden. So kann der Kunde sicher sein, ein hochwertiges und wirklich frisches Produkt zu erhalten. Oder es kann dem Kunden ein zusätzliches Lebensgefühl der Naturverbundenheit vermittelt werden. Es könnte aber auch eine Kooperation zwischen kleineren Versand-Dienstleistern und dem Landwirt aufgebaut werden, bei der eigentlich keine Supermärkte benötigt werden.
 
  • Gesundheitswesen ?
    • Wollen wir der Einfachkeit halber, unsere "Phantasien" aus dem Beispiel Handel kopieren ?
      Dem Patienten wird mit einer Smart-Watch ein Zusatznutzen angeboten. Mit jeder Erweiterung des Kundennutzens wird die Kundenbindung intensiviert, was es dann zunehmend erlaubt, bestehende Geschäftsmodelle auszuhebeln.
      ...
    • Dürfen wir abkürzen ? Natürlich gibt es bereits Unternehmen, die es auf den Kunden "Patient" abgesehen haben. Googlen wir doch einfach mal. Wir werden schnell sehen, wie heiss der Gesundheitsmarkt derzeit umkämpft ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Unternehmen Erfolg haben, darf nicht unterschätzt werden.
 
  • Ausbildung ?
    • Dass wir uns hin zu Lifelong Learning bewegen, wissen wir natürlich bereits. Dass wir uns öfters mal beruflich weiterentwicklen werden, wissen wir auch. Viele von uns sind daher auch auf Platformen wie Xing oder LinkedIn vertreten. Solche Platformen verwalten berufliche Online-Identitäten.
    • Wie wäre es, wenn eine Platform Online-Identitäten mit Persönlichkeitsauswertungen und Karriereoptionen kombiniert und auf dieser Basis personalisierte Empfehlungen für Aus-/Weiterbildungen ausspricht ?
    • Dürfen wir wieder abkürzen ? Auch hier gibt es bereits gut voranschreitende Unternehmen. Googeln wir z.B. mal Linkedin Learning.
    • Und schon sind wir wieder bei möglichen Szenarien, die wir am Beispiel des Handels mal durchgespielt haben. Diesmal wären es die bestehenden Anbieter von Aus- und Weiterbildung, die ihr Geschäftsmodell eventuell nachjustieren müssten.
 
  • Textil/Bekleidung ? Baugewerbe ? Banken ? Tourismus ?
    • Was auch immer die Branche ist - die Business-Spielregeln / das Management im Digitalen Zeitalter müssen wir verstanden haben, wenn wir nicht auf der Seite der Verlierer stehen möchten.

Natürlich könnten wir an dieser Stelle nun noch unzählige weitere Beispiele skizzieren, die zeigen, wie sich Geschäftsmodelle ändern.

Unsere Hochschule für Wirtschaft entwickelte seit 2018 im Rahmen verschiedener Projekte gut 500 Geschäftsmodelle, die auf einer vernetzten Wertschöpfung basieren und bis anhin noch nicht existierten. Wir unterstüzen gerne auch weiterhin bei Fragen, ob/wie denn ein eigenes Unternehmen betroffen sein könnte. Sprechen Sie uns an.
Hochschule für Wirtschaft FHNW > Digitales Zeitalter > Chancen im Digitalen Zeitalter


Ist es belegbar, dass das indusrielle Managementverständnis nicht mehr ausreichend für das Digitale Zeitalter ist ?




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Management im Digitalen Zeitalter" listen wir auf, zu welchen neuen Herausforderungen die HSW bereits Antworten bereitstellen kann.
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derzeitige Aktivitäten Schweizer Unternehmen" stellen wir ausgewählte Handungsoptionen vor, die wir derzeit erkennen bzw. zu denen wir derzeit eine Prüfung empfehlen.
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